30
Sep
2010

Die BRIC-Staaten auf dem Weg in die Weltspitze

30 September 2010

BRIC ist eine geläufige Abkürzung für die vier großen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China geworden. Deren Wirtschaftswachstum wird in den kommenden Jahrzehnten die Weltwirtschaft nachhaltig verändern – auch mit Folgen für die westlichen Industriestaaten.

2001 prägte Jim O’Neill, Chefvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs, das Kürzel BRIC. Es steht für die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China, in denen zur Zeit ca. 40 % der Weltbevölkerung leben. Das Wirtschaftswachstum der BRIC-Staaten wird in den kommenden Jahrzehnten die Gewichte in der Weltwirtschaft nachhaltig verschieben.
So werden nach O’Neills jüngster Prognose vom Dezember 2009 die BRIC-Staaten bis zum Jahr 2050 zu den fünf größten Volkswirtschaften der Welt gehören und dabei Japan, Deutschland und Frankreich aus den Top Five verdrängen. Im Vergleich zur aktuellen Situation werden nur die USA in der Spitzengruppe bleiben.
Außerdem wächst bereits bis 2025 die so genannte Emerging Middle Class – Arbeitnehmer mit mehr als 15.000 US Dollar Jahreseinkommen – um 200 Millionen Personen.
Das entspricht ungefähr der Bevölkerung von Deutschland und Japan und zeigt, in welcher Größenordnung sich zusätzliche Nachfrage nach Gütern des gehobenen Lebensstandards auf dem Weltmarkt in den nächsten Jahrzehnten entfalten wird.

Die Folgen für Produzenten in Hochlohnländern wie Deutschland sind ambivalent: Einerseits wird sich die Wertschöpfung in Staaten mit steigendem Wohlstandniveau hin zu höherwertigen Produkten verlagern, woraus den heutigen Top-Playern Konkurrenz erwächst. Andererseits eröffnet sich ihnen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben, ein Nachfrageanstieg, der den demographisch bedingten Nachfragerückgang in den heutigen Industriestaaten zur unwichtigen Nebensache macht.

Die BRIC-Staaten sind sich ihrer zunehmenden Bedeutung bewusst. Das fand seinen Ausdruck in den beiden ersten Gipfeltreffen der vier Staatschefs im September 2009 in Jekaterinburg und im April 2010 in São Paulo. Dass auf diesen Gipfeln auch weitere wichtige Schwellen- und Entwicklungsländer präsent waren, zeigt, dass die G 8 als globaler Akteur ernst zu nehmende Konkurrenz bekommen. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche, sondern auch um sicherheits- und energiepolitische Belange. So ist Indien mittlerweile zur Nuklearmacht geworden, Brasilien inoffiziell auch. Außerdem werden Handelströme zwischen den BRIC-Staaten zunehmend an den westlichen Industriestaaten vorbeifließen. Wenn Brasilien und Russland den Rohstoffhunger von China und Indien stillen und dafür vergleichsweise billige Güter bekommen, bleiben Nordamerika und Europa bei diesem Deal zunehmend außen vor.
Dabei kommt dem Handel unter den BRIC-Staaten zugute, dass sie aufgrund ihrer unterschiedlichen Profile weniger als Konkurrenten, sondern vielmehr als Kooperationspartner miteinander agieren.

Brasilien ist ein wichtiger Lieferant von Rohstoffen und Agrarprodukten. Aber auch die Produktion technologieintensiver Produkte gewinnt an Bedeutung. So ist das Land z. B. neben Boeing und Airbus erfolgreicher Anbieter von Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen. Von Russland und China importiert Brasilien neben Rüstungsgütern zunehmend Technologie für die Ausbeutung von Rohstoffvorkommen. Durch die jüngste Weltwirtschafts- und -finanzkrise ist das Land glimpflich gekommen. Dank einer strikt stabilitätsorientierten Wirtschafts- und Währungspolitik in den letzten Jahren blieb es von einer Währungskrise verschont.

Russland zählt weltweit zu den wichtigsten Öl- und Gaslieferanten und ist bedeutender Serviceanbieter in der Raumfahrt. In der verarbeitenden Industrie bewegt sich das Land aber auf einem schwachen technologischen Niveau. Welche Erfolge staatliche Fördermaßnahmen im Hochtechnologiebereich und dabei vor allem in der IT haben werden, bleibt abzuwarten. Der Technologieimport wird durch anhaltende rechtliche Unsicherheiten für ausländische Investoren erschwert.

Indien wächst in technologieintensiven Sektoren wie Automobilindustrie und IT stark. Eine wachsende Mittelschicht mit steigendem Einkommen entfaltet eine steigende Nachfrage nach Gütern des höheren Lebensstandards. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung wird u. a. entscheidend davon abhängen, dass die Infrastruktur quantitativ und qualitativ deutlich verbessert wird. Das Land ist zwar die größte funktionierende Demokratie der Welt, sieht sich aber sicherheitspolitischen Risiken durch Terrorismus und dem nach wie vor ungelösten Kaschmir-Konflikt mit Pakistan ausgesetzt.

China läuft nach jüngsten Schätzungen aus dem Sommer 2010 bereits dieses Jahr Japan den Rang als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ab. Das riesige Arbeitskräfteangebot verschafft dem Land einen klaren Wettbewerbsvorteil in arbeitsintensiven Produktionsprozessen im Verarbeitenden Gewerbe. Die politischen Verhältnisse sind zwar stabil, aber ausländische Investoren sehen sich weiterhin rechtlichen Unsicherheiten ausgesetzt. Seinen Finanzmarkt schottet das Land nach außen auch durch Kapitalverkehrskontrollen weitgehend ab, erzielt dadurch aber eine hohe Stabilität des Wechselkurses. Die Einführung wirksamer Sozialversicherungssysteme könnte zu einem Sinken der sehr hohen Sparquote der Bevölkerung führen und damit die Konsumgüternachfrage ankurbeln, was die Abhängigkeit des Landes vom Außenhandel verringern würde. Die Bedeutung der chinesischen Nachfrage für Deutschland zeigt sich u. a. darin, dass die deutschen Automobilhersteller im Premiumsegment ihre Erholung von der Krise 2008/09 vor allem dem steigenden Export nach China verdanken.


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