12
Mai
2008

Der Weltstahlmarkt - Boom ohne Ende?

12 Mai 2008

Die Stahlpreise auf den Weltmärkten befinden sich nach einer kurzen Erholung im Jahr 2007 wieder auf Rekordniveau. Obwohl sich die Weltkonjunktur in diesem Jahr abschwächen wird, ist die Stahlnachfrage ungebrochen. Der Nachfragezuwachs nach Stahl fällt in den Industrieländern jedoch deutlich hinter das BIP-Wachstum zurück. Die große Nachfrage wird vor allem von den BRIC-Staaten getragen. Wegen des anhaltenden - hauptsächlich durch den Ausbau der Infrastruktur bedingten - Nachholbedarfs in diesen Ländern ist auf den Stahlmärkten kurzfristig kaum nachhaltige Entspannung zu erwarten.

Die Stahlpreise befinden sich derzeit wieder auf Rekordniveau: nach einer deutlichen Delle im Laufe des Jahres 2007 hat der für die USA relevante Ohio Steel Price Index seit Januar 2008 wieder deutlich zugelegt und befindet sich derzeit auf einem Niveau von 530,0 Indexpunkten. Dies entspricht gegenüber dem Jahr 2001 (Jahresdurchschnitt: 80,3 Indexpunkte) einer Steigerung um 660,0%!

Der rasante Anstieg der Stahlpreise seit der Jahresmitte 2003 war hauptsächlich durch die anziehende Weltkonjunktur geprägt. Das boomende China war dabei ein besonders wichtiger Faktor: Der Anteil Chinas am Weltstahlverbrauch stieg von 20,0 % im Jahr 2002 auf 31,0 % im Jahr 2005.

Die rapide ansteigende Nachfrage nach Stahl führte in der Branche zu enormen Gewinnerhöhungen. Mit der etwas an Dynamik verlierenden Weltkonjunktur keimte – zumindest auf Seiten der Stahlverbraucher – im vergangenen Jahr die Hoffnung auf, die Stahlpreise würden im Jahr 2008 weiter nachgeben. Warum tun sie dies aber nicht? Löst sich der bisher – wie auch für viele andere Rohstoffe – vermutete Zusammenhang zwischen Stahlpreis und Konjunktur auf? Und was haben wir in der Zukunft zu erwarten?

Zunächst kann man feststellen, dass trotz des rasanten Preisanstieges auch die (Roh-)Stahlproduktion deutlich gestiegen ist: Sie übertraf im Jahr 2004 erstmals eine Mrd. Tonnen und stieg im Jahr 2007 auf 1,33 Mrd. Tonnen; auch im Jahr 2008 wird die Stahlproduktion weiter kräftig wachsen.

In den vergangenen Jahren haben die großen Bergbaubetriebe wie Rio Tinto, Anglo American oder BHP Billiton ihre Minenkapazitäten für Eisenerz kräftig erweitert. Für die kommenden Jahre sind auch hier gewaltige Explorationsanstrengungen geplant. Dies zeigt sich alleine daran, dass der Arbeitsmarkt für Geologen in Bergbaunationen boomt; die großen Minengesellschaften zahlen nach Angaben des Handelsblattes (15. April 2008) heute um 44,0 % höhere Gehälter als noch vor drei Jahren.

Es hat sich allerdings gezeigt, dass vor allem bei Häfen und anderen Infrastruktureinrichtungen erhebliche Engpässe bestehen, die die Weiterverarbeitung und den weltweiten Transport des Rohstoffes beschränken. Große Stahlnationen wie China und Indien halten bereits Teile des eigentlich für den Export bestimmten Stahls zurück, da derzeit die Transportkosten hoch sind und der Markt innerhalb der eigenen Landesgrenzen stark genug ist. In der Folge werden Importmärkte wie die USA unterversorgt. Hier ist eine Ursache für den deutlichen Preisanstieg zu sehen.

Eine weitere Ursache für den Preisanstieg hängt mit dem Energiebedarf bei der Stahlerzeugung zusammen: bei den Preisverhandlungen für den zur Stahlerzeugung benötigten Koks wurden Steigerungen um 200 % und mehr gegenüber dem Vorjahr gemeldet. Dies alleine führt auf der Herstellungsseite zu Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich.

Nicht unwesentlich für die Preissteigerungen sind sicherlich auch die enormen Konzentrationsprozesse bei den Minen- und Stahlunternehmen. So bestreiten heute die drei führenden Eisenerzproduzenten 75,0 % des seegestützten Erzhandels (DIW Wochenbericht 4/2007).

Auf der Angebotsseite gibt es also einige Aspekte, die den Preisanstieg rechtfertigen oder zumindest teilweise erklären. Nun sind die Produktionskosten aber nur eine Seite der Medaille von Marktpreisen: Auf Märkten treffen Angebot und Nachfrage aufeinander; in der Summe muss ein Ansteigen der Herstellungskosten nicht zwangsläufig zu ebenso stark steigenden Marktpreisen führen, wenn die von den Anbietern geforderten Preise zu einem Rückgang auf der Nachfrageseite führen. Volkswirte sprechen dann von einer elastischen Nachfrage. Die Realität zeigt aber, dass die Stahlnachfrage trotz der rasant steigenden Preise nach wie vor ungebrochen ist und weiter steigt, also relativ „unelastisch“ ist.

Die Stahlnachfrage ist ungebrochen, weil Stahl für den wirtschaftlichen Aufschwung einer ganzen Reihe von Staaten unverzichtbar ist, da er für die Basis eines nach westlichen Maßstäben funktionsfähigen Wirtschaftssystems gebraucht wird: Für harte Infrastruktur wie Straßen und öffentliche Einrichtungen ebenso wie für private Gebäude, Transportmittel usw. Die sogenannten BRIC-Staaten sind für einen großen Teil des Anstiegs der weltweiten Stahlnachfrage verantwortlich. In Brasilien erhöhte sich der Inlandsverbrauch an Stahl im Jahr 2007 um 19,9 % gegenüber dem Vorjahr. Neben der boomenden Baubranche, die etwa für ein Drittel des brasilianischen Stahlverbrauchs verantwortlich ist, geht insbesondere von den Sektoren Schiffbau und Kraftfahrzeuge eine steigende Nachfrage aus.

In der Zukunft dürfte der Stahlverbrauch in den BRIC-Staaten weiterhin deutlich zunehmen, da der derzeitige Durchschnittsverbrauch in diesen Staaten noch weit unter dem der Industrienationen liegt: Während die Industrienationen zwischen 400 und 600 kg pro Jahr und Einwohner nachfragen, liegt der Durchschnittsverbrauch in China (270 kg) und in Brasilien (117 kg) deutlich niedriger. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass die BRIC-Staaten bei der Stahlherstellung enorm aufgeholt haben (Steigerung des Anteils an der Weltherstellung von 31,0 % im Jahr 2001 auf 48,0 % im Jahr 2007) und einen großen Teil der rapide steigenden Nachfrage selbst befriedigen können.

In den Industrienationen wächst die Stahlnachfrage hingegen deutlich geringer. Beispielsweise stieg in den vergangenen zehn Jahren der Stahlverbrauch in Deutschland nur um 0,5 % pro Jahr, während das BIP nur mit einer Rate von etwa 2,0 % pro Jahr wuchs. Auch in Nordamerika lag die Zunahme des Stahlverbrauchs stets unter dem BIP-Wachstum. Gründe hierfür sind die relativ abnehmende Bedeutung stahlintensiver Wirtschaftszweige, die bereits hohe Ausstattung mit stahlintensiver Infrastruktur (Brücken, Schienennetz, Flughäfen) sowie anhaltende Substitution von Stahl gegenüber Kunststoffen und Leichtmetallen.

Daher kann man davon sprechen, dass sich das Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten deutlich vom Stahlverbrauch abgekoppelt hat, während das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern nach wie vor ein deutliches Wachstum des Stahlverbrauchs nach sich zieht. Wir erwarten, dass der durch die Schwellenländer induzierte Boom der Stahlnachfrage zumindest in den nächsten Jahren anhalten wird. Auch auf der Angebotsseite wird es – zumal bei steigenden Transportkosten – kurzfristig kaum zu einer Entspannung der Situation kommen.


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