Auf der Battery Show Europe 2026 in Stuttgart stellten wir Maschinen- und Anlagenherstellern aus der Batteriezellproduktion die Frage, welches Zellformat sich nun langfristig durchsetzen wird.
Die Antwort auf diese Frage hat bedeutenden Einfluss darauf, in welche Fertigungstechnologien Anlagenbauer investieren, wie OEMs ihre Plattform- und Pack-Architekturen über Modellgenerationen hinweg auslegen, und welche Zulieferer mit ihren heutigen Investitionen die richtigen strategischen Weichen stellen.
Die Frage ist nicht neu und diese (exemplarische) Antwort auch nicht: „Das vorherzusagen ist wie Lottozahlen tippen.“
Prismatisch, zylindrisch oder Pouch – drei Formate, eine offene Frage
Trotz massiver Investitionen in die Batteriezellfertigung gibt es keinen Konsens darüber, ob prismatische, zylindrische oder Pouch-Zellen das klar dominierende Format der Zukunft sein wird.
Zwar zeigen aktuelle Marktdaten die starke Position prismatischer Zellen: Nach Angaben der International Energy Agency (IEA) entfallen heute weltweit mehr als 60 % der in Elektrofahrzeugen und den meisten stationären Speichersystemen eingesetzten Batteriezellen auf dieses Format.
Die aktuellen Strategieentscheidungen der OEMs spiegeln jedoch die unterschiedlichen Strategien wider. Während Volkswagen mit der prismatischen Einheitszelle seiner Tochtergesellschaft PowerCo – seit Ende 2025 in Serienproduktion in Salzgitter – auf Standardisierung setzt und chinesische Hersteller wie CATL und BYD prismatische Formate skalieren, investieren BMW und Tesla weiterhin in zylindrische Zelltechnologien (4680- bzw. 46XX-Format). Pouch-Zellen bleiben vor allem bei koreanischen Zellherstellern wie LG Energy Solution und SK On sowie bei Herstellern wie Hyundai und Kia ein wichtiges Format für ihre Fahrzeugplattformen.
Zellchemie und Zellformat: eine enge Wechselwirkung
Ein wichtiger Faktor im Formatwettbewerb ist die Zellchemie. LFP-Zellen und prismatische Formate ergänzen sich heute besonders gut: Die hohe thermische Stabilität von LFP begünstigt großformatige Zellen und deren Integration in Cell-to-Pack-Systeme. NMC-Chemien hingegen sind weitgehend formatneutral und kommen in allen drei Bauformen zum Einsatz.
Auch bei den „neuen Zellchemien“ zeichnet sich bislang kein eindeutiger Trend ab. Natrium-Ionen-Zellen nutzen häufig prismatische oder zylindrische Designs, da bestehende Fertigungsprozesse übernommen werden können. Bei Festkörperzellen ist die Entwicklung noch offen. Volkswagen verfolgt gemeinsam mit QuantumScape das Ziel, künftige Festkörperzelltechnologien in die Unified-Cell-Architektur integrieren zu können.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus unseren Gesprächen
Formatvielfalt bleibt die Realität. Die Nachfrage nach Produktionsanlagen für alle drei Zelltypen ist weiterhin hoch – ohne klare Anzeichen einer Konvergenz.
- Prismatische Zellen gewinnen strukturell an Bedeutung. Cell-to-Pack-Konzepte, LFP-Chemien und die Standardisierungsstrategien großer OEMs machen sie besonders attraktiv für Volumenmärkte.
- Pouch-Zellen bleiben aufgrund ihrer hohen Packaging-Effizienz und Designflexibilität für viele Anwendungen relevant.
- Zylindrische Zellen ziehen weiter Investitionen an. Hochautomatisierte Fertigung, Skaleneffekte und starke Leistungscharakteristika sichern ihnen insbesondere im Performance-Segment eine wichtige Rolle.
Flexibilität wird zum Wettbewerbsvorteil. Anlagenbauer, die mehrere Zellformate mit modularen Produktionskonzepten unterstützen können, sind gut positioniert, solange der Formatwettbewerb offenbleibt. Zulieferer stehen zwar vor der Herausforderung, mehrere Zellarchitekturen parallel zu unterstützen. Gleichzeitig profitieren sie von anhaltenden Investitionen in unterschiedliche Produktionskonzepte.
Eines wurde in den Gesprächen auf der Messe deutlich: Die Branche investiert zwar mit hoher Dynamik in den Ausbau ihrer Kapazitäten, doch ein klarer Gewinner im Wettbewerb zwischen prismatischen, zylindrischen und Pouch-Zellen ist weiterhin nicht in Sicht.
Wir würden uns sehr über Ihre Meinung freuen und teilen Ihnen gerne unsere Sichtweise näher mit – zögern Sie bitte nicht, uns zu kontaktieren.
Johannes Sonntag
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