Mit der jüngsten Anpassung der EU-Ziele zur CO₂-Reduktion für 2035 – von 100% auf 90% – sind Plug-in-Hybride, Range Extender, Mild-Hybride und bestimmte Verbrenner-Fahrzeuge nach 2035 nicht mehr automatisch vom EU-Markt ausgeschlossen. Führende europäische OEMs passen ihre Strategien bereits an diesen gelockerten Regulierungsrahmen an.

In unserer aktuellen Studie, die auf ausführlichen Interviews mit OEMs, Tier-1-Zulieferern und Ingenieurdienstleistern basiert, decken wir die tatsächlichen technischen und investitionsbezogenen Roadmaps auf, die das nächste Jahrzehnt prägen werden – jenseits des politischen Lärms.

Das sind unsere Kernergebnisse – und ihre Bedeutung für die Lieferkette:

  • Die Ära des „Feinschliffs“ vs. Neuentwicklungen: Entgegen der Annahme, dass eine Lockerung der Zielvorgaben zu einer Wiederbelebung der Motorinnovation führen würde, bestätigen unsere Untersuchungen, dass die Ära der „Clean Sheet“-Verbrennungsmotorenfamilien effektiv vorbei ist. Führende EU-OEMs investieren kein Kapital in neue Motorblöcke. Stattdessen hat sich der Fokus vollständig auf die „Verfeinerung“ bestehender Architekturen verlagert, und zwar durch iterative Verbesserungen der thermischen Effizienz statt durch neue Innovationen.
  • Der Preis entscheidet: Obwohl bereits massive F&E-Budgets auf BEVs umgeleitet wurden, sind die Investitionen in Verbrennungsmotoren im Vergleich zu vor fünf Jahren etwas stärker gestiegen als erwartet. Die Richtung für Verbrennungsmotoren ist klar: Komplexität und Kosten reduzieren, was zu einer Konsolidierung der Motorenfamilien führt.
  • Die Hybrid-Brücke wird länger: Das „90-Prozent-Ziel“ bestätigt effektiv eine Strategie, auf die sich viele OEMs still und leise vorbereitet haben: die erweiterte Relevanz von HEV und PHEV. Die OEMs optimieren ihre Portfolios, um sicherzustellen, dass Verbrennungsmotoren den Übergang zur Elektrifizierung überbrücken.
  • Die Frage nach dem Range Extender: Während REEVs in China dominieren, zeigen unsere Interviews, dass man in Europa eher zögerlich ist. Dort werden sie zwar auf den Markt kommen, aber trotz ihres Potenzials, das Problem der „Reichweitenangst” zu lösen, eher eine Nischenlösung bleiben.
  • Konsequenzen für Tier-1-Zulieferer: Dieser Wandel stellt ein Paradox dar, da das Volumen für ICE-Komponenten möglicherweise länger als erwartet bestehen bleibt, die Nachfrage nach Innovationen jedoch stagniert. Gewinner werden diejenigen sein, die Innovationen wie „Plug-and-Play”-Hybridisierungslösungen und Kostensenkungsmaßnahmen für ältere Motoren anbieten können, und nicht diejenigen, die Konzepte der nächsten Generation vorstellen, da die EU bereits für EUR 7 bereit ist.

Die politische Lage bleibt weiterhin unbeständig, da die Debatten über E-Kraftstoffe und „Kohlenstoffkorrekturfaktoren“ noch andauern. Die technische Realität steht jedoch fest. Die Branche bewegt sich in Richtung einer optimierten Zukunft mit Elektrofahrzeugen und Hybridantrieben, in der Verbrennungsmotoren nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

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