Nachhaltigkeit galt in den vergangenen Jahren als zentrales Transformationsziel für Industrieunternehmen: Regulierung, Kundenerwartungen und gesellschaftlicher Druck zwangen Konzerne, Umwelt- und Sozialaspekte konsequent in die strategische Planung zu integrieren. Unsere jüngeren Gespräche bei SuP mit Unternehmensentscheidern und Strategieverantwortlichen sowie Beobachtungen aktueller Geschäftsberichte deuten jedoch auf einen spürbaren Rückgang des Stellenwertes hin.

Diese Tendenz wird auch durch andere Quellen untermauert: Analysen von Investorenpräsentationen und Strategiekonferenzen zeigen, dass ESG-Themen in der Agenda zwar präsent bleiben, aber deutlich hinter kurzfristigen Zielen, Lieferkettenstabilität und digitalen Transformationsprojekten zurücktreten. Der Fokus verschiebt sich also von „Sustainability als strategische Leitidee“ hin zu operativen Prioritäten wie Kostenoptimierung, Lieferfähigkeit und Wachstumsprojekten.

Mehrere Gründe erklären diese Verschiebung. Erstens zwingt die aktuelle wirtschaftliche Lage – steigende Rohstoffpreise, Energieunsicherheit, Inflation – Unternehmen zu kurzfristigem Handeln, das messbare finanzielle Effekte priorisiert. Zweitens hat die Nachhaltigkeitsagenda vieler Firmen inzwischen einen soliden Basisstand erreicht: Emissionsreduktionen, Compliance-Maßnahmen und Reporting-Strukturen sind implementiert, wodurch eine intensive strategische Debatte weniger notwendig erscheint. Drittens zeigen regulatorische Entwicklungen in einigen Märkten klare Vorgaben; Unternehmen verschieben daher interne Diskussionen auf operative Umsetzung, anstatt neue strategische Ambitionen zu entwickeln.

Diese Verschiebung ist teilweise gerechtfertigt: Effizienz, Krisen-Resilienz und Investitionen in Digitalisierung oder Lieferkettenoptimierung sichern kurzfristig die wirtschaftliche Basis, auf der langfristige Nachhaltigkeitsziele erst tragfähig umgesetzt werden können. Eine strategische Überlastung durch zu viele gleichzeitig adressierte Transformationsfelder hingegen wird die Handlungsfähigkeit von Unternehmen eher hemmen.

Gleichzeitig bergen diese Trends Risiken: Reduzierte Sichtbarkeit von Nachhaltigkeit in der Führungsebene kann zu Innovationsverlusten, Reputationsrisiken oder verpassten Marktchancen führen – insbesondere, wenn Kunden, Partner oder Investoren hohe Nachhaltigkeitsstandards erwarten. Langfristig droht eine Diskrepanz zwischen kommunizierten Zielen und tatsächlichem Fortschritt, die nicht nur regulatorisch, sondern auch wettbewerblich nachteilig sein kann.

Die Herausforderung für Industrieunternehmen besteht daher darin, Sustainability nicht nur als kurzfristige Pflicht, sondern als integralen Hebel für Wertschöpfung zu betrachten. Auch wenn andere Prioritäten aktuell dominieren, muss die strategische Verankerung von Umwelt- und Sozialaspekten erhalten bleiben, um langfristige Resilienz, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Bei SuP unterstützen wir Unternehmen regelmäßig dabei, Chancen und Anforderungen im Bereich Nachhaltigkeit zu identifizieren, und diskutieren fortlaufend neue Entwicklungen und Ihre Auswirkung auf Unternehmen verschiedenster Industriesegmente. Kommen Sie gerne mit uns ins Gespräch.

Dr. Helmut Weldle
Telefon: +49 6201 9915 52
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